Was sind die Eigenschaften eines guten medizinischen Leiters – mache es wie Jesus

Du bist allein als Assistenzarzt auf der Station und musst schon die ersten Patienten anleiten und Pflegende Anweisungen geben. Du gehst von Jahr zu Jahr und musst lernen, was führen heisst, ob im unteren, mittleren oder höheren Kader-Bereich. Was sagt Jesus zu diesem Thema?

Ich brauchte Jahre, um zu lernen, was führen bedeutet und bin es heute am Beginn der Pensionszeit immer noch am Lernen. Auf meinem Weg erinnere ich mich vor allem an nahbare Oberärzte und Chefs, die sogar Einblick in ihr Leben gaben und eine Beziehung möglich machten. Ich investierte dort viel, wo auch in mich investiert wurde. So habe ich in der Innerschweiz eine aufwendige Studie gemacht, weil ich gerade dort so unterstützt wurde. Sieben Jahre später bewarb ich mich in der Ostschweiz, und ohne, dass ich das vorher wusste, war der Leitender Arzt der Innerschweiz dort gerade Chef geworden. Er erinnerte sich noch an mich und stellte mich als Oberassistent an; es war das beste Jahr auf meinem ganzen Weg.

Vor kurzem hörte ich im täglichen Bibelstudium einen sehr guten Podcast mit dem Titel «Wie führen wie Jesus»[1]. Darin werden sechs praktische Punkte aufgezählt[2]. Hier die ersten drei:

  1. Leite mehr von dem her, wer du bist, als von der Position oder Hierarchie, in der du dich befindest.

Wer du als Person und Charakter bist, ist viel wichtiger als deine Funktion oder was du besitzt. Jesus hatte eine natürliche Autorität. Es genügte, wenn die Jünger sagten, der «Herr braucht sie [Eselin] und sogleich wird er sie senden»[3]. Keine Drohungen oder Versprechungen waren notwendig.

Gerade wenn du frisch als Assistenzarzt beginnst und neu auf der Station bist, sei wie du bist mit Stärken und Schwächen, und vor allem wie jemand, der noch wenig Erfahrung hat. Beharre nicht auf deiner Funktion, lege deine Unerfahrenheit vor der Pflege sogar offen, und sie werden dich unterstützen und ausbilden. Wenn du etwas nicht oder noch nicht weisst, kannst du dies sogar dem Patienten gegenüber erwähnen. Dann kannst du dich beim Vorgesetzten erkundigen und dies dem Patienten wieder zurückmelden.

  1. Sei sanft und bescheiden (anspruchslos).

«… Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig»[4]. Dies ist nicht das, was Leute um dich herum erwarten. Dies war aber der Kern dessen, was Jesus als Leiter auslebte. Jesus lebte das Gegenteil von aggressiv und selbstsüchtig.

Sie nicht mehr, aber auch nicht weniger als das, was du in diesem Stadium deiner Ausbildung zum Arzt bist. Beim Vorgesetzten, auch wenn spät in der Nacht, ist es nicht peinlich, Fragen zu stellen. Schlage Antworten vor, sodass du dir schon Gedanken zu einem Problem gemacht hast.

  1. Vermeide Arroganz und Prahlerei.

Jesus marschierte in Jerusalem auf einem einfachen Esel ein. Was für ein Kontrast zu anderen Herrschern, die mit Macht und Pomp einmarschierten. Es war Demut im Gegensatz zu Stolz und Arroganz.

Gerade in den Anfängen, wenn du die ersten Aufgaben übernehmen darfst, wie zum Beispiel eine Wunde nähen, einen Blasen-Katheter bei einem Mann legen oder eine arterielle Blutgasanalyse durchführen, ist die Gefahr gross, überheblich oder zu selbstsicher zu werden, was dem Stolz gleicht. Nach zehn Blinddarmoperationen hat man das Gefühl, man könne diese Operation. Nach hundert solcher Operationen kann man nur noch sagen, jede Operation ist anders.

Du und ich können nicht früh genug lernen, die Wege Jesu zu gehen. Leite mehr von dem her, wer du bist, sei sanft und bescheiden und vermeide Arroganz und zu grosse Selbstsicherheit.

Nimm dir Zeit, vor Gott im Gebet diese drei Punkte hinzulegen und bitte um ein schrittweises Wachstum in Jesus.

Bei Fragen oder Erlebnissen teile mir dies mit, entweder unten im Kommentar oder per Mail.


[1] «How to Lead Like Jesus» aus ‘The Bible with Nicky and Pippa Gumbel’ (https://bible.alpha.org/en/classic/31/ [4.6.2024]).

[2] Es wird auf Matthäus 21.1-17 Bezug genommen.

[3] Matthäus 21.3 (Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen).

[4] Matthäus 21.5 (s. vorher).

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